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Dissertationsprojekt "Imagologie der Fremde - Das Londonbild eines osmanischen Reisenden Mitte des 19. Jahrhunderts"

Dr. Veruschka Wagner

In der vorliegenden Arbeit geht es darum, anhand eines von einem Osmanen Mitte des 19. Jahrhunderts verfassten Reiseberichts über London und die dortige Weltausstellung von 1851 ein Bild über England, die Engländer und die Osmanen herauszuarbeiten.
Bei der „International World Fair“ handelte es sich um ein Großereignis,
welches internationales Interesse auf sich zog und neben zahlreichen Ausstellern tausende Besucher aus der ganzen Welt anlockte. Unter ihnen befand sich ein osmanischer Reisender, der über die Industrieausstellung und seine Erfahrungen in England während seines mehrmonatigen Aufenthaltes einen knapp hundertseitigen Bericht mit dem Titel Seyāhatnāme-i Londra (London-Reisebericht) verfasste. Der zu untersuchende Reisebericht fällt in eine spannende Zeit, nämlich das 19. Jahrhundert, das in der Forschung allgemein als langes Reformjahrhundert bezeichnet wird. Geprägt ist es von Veränderungen und Umbrüchen, die dem Imperium dazu verhelfen sollten, seine vor allem von Europa in Frage gestellte Existenz zu retten. In den 1850er Jahren, der Zeit, in der der Verfasser des London-Reiseberichts England besuchte, gab es einen „Modernisierungsschub“ im Osmanischen Reich, der sich durch eine Orientierung an Europa und zahlreiche Reformen auszeichnet. Charakteristisch für diese Zeit ist auch die steigende Anzahl an Reisen in die europäischen Großstädte und deren anschließenden schriftlichen Abfassungen, mit denen die Autoren die Leserschaft im Heimatland über ihre Beobachtungen und Erfahrungen informieren. Dabei können Reiseberichte, wie auch andere Texte über andere Länder und Kulturen, zur Konstitution und Reproduktion von Fremd- und Selbstbildern dienen. Mit dem London-Reisebericht liegt uns eine einzigartige und bislang in der Forschung kaum berücksichtigte Quelle vor, die im Blick auf das als Mutterland der Industrialisierung geltende England ein Bild nicht nur vom Anderen sondern auch vom gewünschten Selbst zeigt. Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen das Bild Englands und der Engländer und das Bild der Osmanen. Konkret geht es um die Beantwortung folgender Fragen: 1. Welches Bild Englands und der Engländer überliefert der Verfasser des vorliegenden Reiseberichts in seinem Text? 2. Wie sehen dabei die Eigendefinition der Osmanen und die eigene Positionierung aus? Neben dem konkreten Bild spielt die Frage nach der Art und Weise der Darstellung und der Vorgehensweise des Autors eine wichtige Rolle. Welche Verfahren und Strategien wendet der Verfasser des Reiseberichts auf inhaltlicher wie auf sprachlicher Ebene an, um dem Leser das intendierte Bild zu vermitteln?

 

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